Friedhofskirche


Friedhofskirche in Kemnath "Sankt Maria Magdalena"




Im Jahre 1604/1606 wurde sie als nachgotischer Saalbau errichtet. Zwei Steintafeln über dem südlichen Haupteingang geben darüber Auskunft. Der Bürgerfriedhof war bereits 1558 dort angelegt. Die Friedhofskirche besitzt zahlreiche Epitaphien (Grabinschriften an der Kirchenwand).
1976 wurde der Turmreiter neu mit Kupfer eingedeckt und die Kirchenfassade renoviert. Die neueste Renovierung 2013/14 umfasste die Trockenlegung der Außenmauern und die Sanierung des Dachstuhls und der Holzfelderdecke.





Näheres aus Aufzeichnungen von Pfarrer Heribert Krichenbauer:

Baugeschichte
Die Kirche wurde 1604 durch die Reformierten erbaut.
Im Jahr 1626 übernahmen die Katholiken bei der Gegenreformation diese Magdalenenkapelle.
An der Südseite befinden sich zwei Bauinschriften:
    Die untere lautet: „Dieses Werks Baumeister Gabriel Vischer“
    Die obere Inschrift: „Diese Kirchen ist durch M.Sewolt Seitzen gemacht worden. 
                                      A
nno Christi 1604“
An der Friedhofseite befindet sich eine Inschrift, die besagt: „1558 wurde dieser Gottesacker erbauet.“


Ausstattung
Der Altar im Barockstil stammt aus der Zeit um 1750. Er soll aus der säkularisierten Grabenkapelle stammen.
Die bemalte Holzdecke, in Rechtseckfeldern eingeteilt, ist von außergewöhnlichem Reiz. In einem Feld über der Empore finden sich die Buchstaben W S und die Jahreszahl 1606.
Die Holzempore ist ebenfalls eine selten schöne und eindrucks-volle Arbeit.
Die Orgel ist bereits 200 Jahre alt und wurde 1978 mit dem alten Bestand durch Orgelbauer Johann Rickert aus Regensburg restau-riert.
Zwei kleine unscheinbare Kabinettscheiben befinden sich im nördlichen Emporefenster. Sie sind mit zwei kaum mehr erkennbaren Porträtköpfen bemalt. Bei der Renovierung 1934 war man sich nicht einig, ob es sich dabei um Luther und Kalvin handelt, wie der Volksmund überliefert, oder ob es sich um die Stifter des Fensters handelt. 
Die Kirchenstühle wurden laut Kirchenrechnung von 1802 vom aufgelösten Franziskanerkloster angekauft.
Die Glocken wurden zweimal, im ersten und im zweiten Weltkrieg, vom Turm geholt. Am 29.04.1942 wurden die zwei 206 kg und 180 kg schweren Glocken, die unter Pfarrer Pellenwessel l928 gekauft worden waren, abgenommen. Pfarrer Georg Pilz gelang es, wieder zwei neue Glocken auf den Turm zu bringen: Die kleinere Glocke mit 51 kg wurde von Johann Hahn aus Landshut gegossen und trägt die Inschrift: Heiliges Jahr 1950. Die größere Glocke, vom gleichen Glockengießer geschaffen, wiegt etwa 70 kg. Sie wurde von Andreas Niklas aus Stadt Kemnath 1951 gestiftet und zeigt ein Andreasbild. Seit 1971 werden sie elektrisch geläutet. 
 
Heiligendarstellungen
Die Pieta im Hochaltar erweist sich als eine einfache, aber ausdrucksstarke holzgeschnitzte Darstellung Marias mit dem toten Jesus auf ihrem Schoß. Das große Kreuz über dem nördlichen Eingang ist der schönste und künstlerisch wertvollste Schmuck der Friedhofkirche. Es ist spätgotisch, älter als die Kirche, aus dem 16. Jahrhundert. Der Heilige Josef, eine Holzstatue, ist links vor einem abgeschlagenen Grabstein angebracht. Das Muttergottesbild im prächtigen Barockrahmen trägt die Jahreszahl 1754. Über dem südlichen Eingang hängt der heilige Michael, eine barocke Holzfígur.
Der Ölberg, eine Darstellung mit Jesus, den drei schlafenden Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes sowie einem Engel mit Kelch, befindet sich jetzt innerhalb der Kirche unter der Empore. Bis zum Bau der Leichenhalle (1941) war diese Ölberggruppe außen aufgestellt. Pfarrer Arckauer berichtet, dass dieser Ölberg 1693 restauriert wurde.
Johannes Nepomuk und der heilige Primian, zwei barocke Holzbüsten, stehen unter den beiden vorderen Fenstern. Ein schönes Wendelinbild hängt rechts vorne.
Unter dem Grabstein von Johann Michael Pelhamer links vom Nordportal (+ 1712) steht ein eigenartiger Weihwasserkessel aus Sandstein. Er zeigt drei Totenköpfe, durch deren Augenhöhlen sich eine Schlange windet. Dies soll ausdrücken, dass durch die Sünde (= Schlange) der Tod in die Welt kam. Den oberen Teil bildet eine Muschel für das Weihwasser. Beides, Muschel und Wasser, sind Symbole für die Taufe und die Auferstehung durch Christus. 
 
Restaurierungen
1971: Elektrisches Geläute
1976: Turmreiter und Außenfassade (50.000.- DM)
1978: Innentünchen; Restaurieren des Nepomuks, Primians und Josefs, des Orgelwerks und
          des Panzertabernakels (80.000.-- DM)
1979: Restaurieren der Ölberggruppe (5.000.-) 
1980: Restaurieren der Altarleuchter und des hl. Michaels
1981: Restaurieren des Altars, des Orgelgehäuses und des Beichtstuhls (38.000.-)
2013/14: Die neueste Renovierung umfasste die Trockenlegung der Außenmauern und die Sanierung
          des Dachstuhls und der Holzfelderdecke.